Heftig, diese Armut zu sehen
21. Dezember 2017

Interview Kroatien

Am 12. Dezember 2017 trafen sich Steven Lauber und Joshua Späth aus der R9b und Jessica Rüdt und Maja Gisy aus der R9a in der Pause mit Grundschullehrerin Miriam Schuldt zum Gespräch. Die vier Realschüler waren Anfang Dezember beim Hilfseinsatz in Kroatien dabei und berichteten von ihrer Zeit im Romadorf. Für Steven und Joshua war es bereits der zweite Besuch in Strmec.

CSH: Schön, dass ihr da seid. Danke, dass ihr eure Pause für dieses Interview ‚opfert’. Ihr wart teils zum ersten Mal, teils zum zweiten Mal in Kroatien dabei. Sicher habt ihr viel erlebt. Erzählt ihr uns, woran ihr gearbeitet habt?

Steven: Wir haben hauptsächlich am Dusch- bzw. WC-Häuschen gearbeitet. Das Dach musste abgerissen und neu gebaut werden.

Joshua: Mit dem Dach sind wir ganz fertig geworden, aber leider kamen wir mit der Tür und der Toilette nicht so weit wie wir ursprünglich wollten. Die Lehrer werden im kommenden Frühjahr daran weiterarbeiten.

CSH: Jessica und Maja, habt ihr auch am Dach mitgearbeitet?

Jessica: Ja, wir haben alle geholfen. Wir mussten auch die Tür abschleifen, aber leider war sie etwas zu groß.

Maja: Außerdem haben wir auch noch ein Fenster eingebaut.

CSH: Wie war euer Kontakt zu den Dorfbewohnern, wie habt ihr die Menschen wahrgenommen?

Jessica: Wir hatten viele Kontakte. Die Menschen waren sehr offen.

Maya: Manche von ihnen konnten Englisch sprechen, manche waren sogar unsere Verehrer und fanden uns toll (lacht).

Joshua: Wir haben uns gut verstanden, mit manchen sogar angefreundet. Aber man hat etwas gemerkt, dass der Winter eine ernstere Jahreszeit ist. Da ist die Stimmung dann ein bisschen anders.

Jessica: Man fühlt sich dort echt willkommen, die Kinder umarmen einen sogar.

Steven: Manchmal mussten wir aber auch mit Händen und Füßen reden.

CSH: Gab es Momente, die euch besonders berührt haben, die vielleicht sogar eure Einstellung verändert haben?

Jessica: Für mich war es sehr besonders, als ich mit einer Apfelkiste herumgelaufen bin und Äpfel verteilt habe. Die Menschen waren so dankbar für den Apfel, obwohl es doch „nur“ ein Apfel war. Ich würde auch sehr gerne selbst nach Strmec fahren, wenn ich den Führerschein habe, und dort helfen.

Steven: Mich haben die Kinder sehr berührt. Sie haben keine Schuhe und es ist schon echt kalt. Wir haben ziemlich deutlich erkannt, wie gut es uns hier in Deutschland geht.

Joshua: Ich fand es toll, dass alle mitgeholfen haben, obwohl man sich nicht kannte. Alle haben zusammengearbeitet.

Maja: Mich hat besonders bewegt, dass die Kinder uns aufgefordert haben, ins warme Haus zu gehen als es richtig kalt war. Das Haus ist sehr klein und sie haben es selbst nicht warm. Aber sie wollten, dass wir es warm haben. Irgendwie war es schon auch heftig, diese Armut zu sehen. Das kann sicher auch nicht jeder sehen.

CSH: Was würdet ihr dort ändern? Was brauchen die Leute am dringendsten?

Steven: Auf jeden Fall sanitäre Anlagen.

Joshua: Fließend Wasser wäre auch wichtig.

Maja: Warme Kleider.

Jessica: Irgendwie auch Liebe von den Menschen von außerhalb. Sie meinten, wir sollten unseren Familien erzählen, dass die Roma gar nicht so sind, wie man immer über sie redet.

CSH: Vielen Dank für das Gespräch und schön, dass ihr euch so einbringt.